zwanzig vor zwei oder Deutsch statt Ausgang

Gestern hatte ich meine erste Unterrichtsstunde im Knast. Konkret in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee. Ich gebe dort zwei Kurse: Standard-Deutsch als Zweitsprache und Deutsch-Basis. Hinter dem Kurstitel Deutsch-Basis verbirgt sich ein Alphabetisierungskurs, der sowohl für Inhaftierte deutscher Herkunft, als auch für ausländische Inhaftierte mit Schwierigkeiten im Schreiben und Lesen gedacht ist. Der erste Kurs ist ein klassischer Sprachkurs für Inhaftierte mit Migrationshintergrund, die bereits Vorkenntnisse in der deutschen Sprache besitzen und ihr Deutsch während ihrer Haft verbessern wollen. Meine Teilnehmer sind Inhaftierte jeder Nation. Gestern kamen allerdings nur 4 von insgesamt 13 angemeldeten Schülern. Das wurde mir von den freundlichen Beamten schon so angekündigt. Schließlich sei am gleichen Tag auch „Einkauf“. Was genau „Einkauf“ für die Gefangenen in Plötzensee bedeutet, ist mir noch nicht ganz klar geworden.

Wir haben keine Tafel, aber dafür immerhin ein Flashboard, auf dem geschrieben werden kann. Wenn sich noch unbeschriebene Blätter finden. An der Wand steht eine Tiefkühltruhe (jaha, wirklich, eine Tiefkühltruhe). Die Uhren in diesem Haus der Haftanstalt sind alle irgendwann einmal um 13.40 Uhr stehengeblieben. Es ist also für allezeit 20 vor 2 hier. Das muss schlimm sein für einen Inhaftierten, für den die Zeit nicht schnell genug vergehen kann.

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